Ich habe hier ja schon ein paar Mal erwähnt, dass mein Ex und ich uns auf ein Wechselmodell geeinigt haben und das auch ziemlich erfolgreich so leben. Trotzdem stoße ich im Alltag manchmal auf Fragen und Probleme, die andere Eltern, die ich kenne, so nicht haben. Zwischen den vielen Müttern, die ihre Kinder täglich um sich haben, und denen, die ihre Kinder anscheinend (fast) ganz aufgeben konnten oder mussten(darunter viele Väter, aber inzwischen wohl auch einige Mütter), wünsche ich mir manchmal ein bisschen mehr Austausch mit anderen Eltern kleiner Kinder, die sich auch für ein ähnliches Modell entschieden haben wie wir.
Es geht mir dabei nicht um theoretische oder rechtliche Informationen. Dazu findet man ja durchaus etwas im Internet und wie so oft ist Wikipedia da eine ganz gute Anlaufstelle für einen ersten Überblick. Mir geht es mehr um persönliche Erfahrungen aus dem Alltag mit diesem Lebensmodell. Haben andere Wechselmodell-Eltern vielleicht auch Blogs, die ich bloß noch nicht kenne? Im Moment gibt es weder in meinem Offline-Bekanntenkreis noch in meiner persönlichen Online-Welt jemanden, der/die das ähnlich handhabt wie wir.
Ich vermisse mein Kind zum Beispiel, wenn wir uns nicht sehen, nach ein paar Tagen sehr und das kommt ja bei uns häufiger vor. Wie kommen andere damit klar? Ich lese in den Blogs anderer Eltern immer nur, wie sehr sie sich freuen, mal ein paar Tage Ruhe zu haben und ich verstehe das auch und möchte das jetzt nicht so verstanden wissen, als ob ich das in irgendeiner Form verurteilen würde. Aber ich habe eben eher genau das umgekehrte Problem.
Damit hängt auch zusammen, dass alle Großeltern sich darum reißen, das Kind mal für sich zu haben und vielleicht mit in den Urlaub zu nehmen oder so. Das kann ich auch völlig verstehen, aber wenn ich meine Kleine zum Beispiel ein Wochenende im Monat bei meiner Mutter lassen würde, dann hätte ich selbst auch nur noch ein Wochenende im Monat mit ihr übrig und das ist mir einfach zu wenig. So wird mir, wenn ich mit ihr meine Familie besuche, gesagt, dass meine Tochter und ich zu sehr aneinander klammern würden, während ich woanders oft meine, den unterschwelligen Vorwurf mich zu wenig zu kümmern und zu wenig Zeit mit ihr zu verbringen, rauszuhören. Wie gehen andere in meiner Situation mit diesem Widerspruch um?
Und natürlich spielt es auch eine Rolle, dass ich eben eine Mutter, also weiblich, bin. Einem Vater in der gleichen Situation wird ganz anders begegnet, auch wenn der sich natürlich auch mit einigen Problemen konfrontiert sieht, wird er dafür wohl überwiegend toll gefunden. Und das ist ja auch irgendwie berechtigt, Tildas Papa kümmert sich so viel mehr als sich zum Beispiel mein Papa in meiner Kindheit gekümmert hat und das finde ich auch toll. Auch wenn das andererseits natürlich selbstverständlich sein sollte, dass man(n) sich um seine eigenen Kinder auch tatsächlich kümmert, muss er dafür ja im Moment auch ziemlich mit den immer noch vorherrschenden Geschlechterrollen brechen und hat damit als ebenfalls armer Student gerade auf Ämtern auch so seine Schwierigkeiten. Auch hier wieder die Frage, wie gehen andere Wechselmodell-Eltern miteinander um, wie oft sollte man sich vielleicht treffen um ausführlicher miteinander zu reden, wie sehr sollte man seinen Alltag aufeinander abstimmen, unternehmen andere vielleicht auch mal was zusammen mit beiden Eltern und Kind? Was passiert, wenn einer vielleicht in eine andere Stadt ziehen will, geht das überhaupt? Was, wenn das Kind älter wird, wird es mit der Situation weiter zufrieden sein?
Und was ist der ideale Wechsel-Rhythmus? Ist es ok, dass wir gerade oft alle paar Tage wechseln oder sollten wir vielleicht doch lieber wöchentlich wechseln, um nicht so oft Trennungssituationen zu haben, die auch für alle schwer sind? Andererseits sieht man sich so, wie wir es gerade machen, ja meistens schneller wieder und muss sich nicht so lange vermissen, also ist vielleicht doch das besser? Wie machen andere das?
Ich will mit diesen ganzen Fragen aber auf keinen Fall das Wechselmodell an sich in Frage stellen. Ich halte es zur Zeit für das beste System für uns, es löst sehr viele der Probleme, die das herkömmliche Residenzmodell mit sich bringen würde. Dass keiner an den anderen Unterhalt zahlen muss, ist in unserer beider finanziellen Situation schon ganz gut so. Ich habe genug Zeit, um mich um mein Studium und meine privaten Interessen zu kümmern, kann mich ausreichend entspannen und bin so sicher auch im Umgang mit meinem Kind gelassener und geduldiger. Nach der Bindungstheorie ist man heutzutage auch der Ansicht, dass auch kleine Kinder zwei gleichwertige Bezugspersonen haben können und mit deren Unterschieden durchaus auch gut klar kommen. Ich halte es auch für einen Vorteil, dass die Kleine zwei soziale Sicherheitsnetze hat. Aber bei all diesen Vorteilen stellen sich eben trotzdem auch einige Fragen, wenn man einen Weg wählt, den scheinbar fast niemand sonst geht.
Also, falls unter den hier Mitlesenden jemand auch das Wechselmodell lebt oder einen Blog von Wechselmodell-Eltern kennt, würde ich mich über einen Kommentar freuen!
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