In der Nacht vom 30. zum 31. März 2011 habe ich nicht geschlafen. Ich lag zwar im Bett, aber wie schon seit Wochen konnte ich nicht einschlafen. Mit so einem Bauch eine bequem Schlafposition zu finden in nahezu unmöglich, außerdem drückt das Kind auf die Blase, so dass frau ständig zur Toilette muss, dazu hatte ich ja die ständigen leichten Wehen… die um 6 Uhr morgens dann doch begannen immer schmerzhafter zu werden. Der Rhythmus blieb erstmal gleich, der war ja auch schon lange fast geburts-tauglich. Außerdem ging nun der Schleimpfropf ab, es schien sich also wirklich etwas zu tun.
Um 7 Uhr rief ich dann meine Hebamme an und weckte meinen Freund. Wir haben uns für 8 Uhr im Geburtshaus verabredet. Schon auf dem Weg dahin musste ich alle paar Schritte eine Pause machen, um Wehen zu veratmen. Dort angekommen wurde ich untersucht, der Muttermund war noch nicht wirklich nennenswert geöffnet, also wurde uns empfohlen, einen Spaziergang zu machen,Bewegung könne da helfen. Gesagt, getan, aber trotz strahlendem Sonnenschein macht spazieren gehen in diesem Zutand nicht so unglaublich viel Spaß. Nach schätzungsweise einer weiteren Stunde kamen wir zurück ins Geburtshaus und es sah immer noch nicht so aus, als würde das Baby gleich das Licht der Welt erblicken, also sollten wir noch einmal nach Hause gehen, um uns auszuruhen. Wir gingen also, und er konnte noch etwas schlafen, während ich daneben lag und hoffte, dass das alles nicht mehr allzu lange dauert.
Ich weiß jetzt gar nicht mehr, wie lange wir zu Hause waren. Irgendwann am Nachmittag gingen wir wieder ins Geburtshaus. Mein Muttermund war immernoch vielleicht gerade mal 2 cm offen, es konnte also noch eine Weile dauern, ich stieg in die Wanne und wieder hinaus, legte mich ins Bett und hockte daneben, hing mich an eine Sprossenwand und lief durch das Zimmer… Aber am Ende ist eine Geburt in jeder Position einfach nur schmerzhaft und doof, wenn ihr mich fragt.
Ich war entsetzt, als die Hebamme anfing laut darüber nachzudenken, ob es wohl noch ein Märzbaby oder ein Aprilbaby werden würde. Man hatte mir ja immer versichert, dass bei so vielen Vorwehen die eigentliche Geburt ganz schnell gehen würde und ich war daher ganz und gar nicht darauf gefasst gewesen, dass das alles jetzt noch viele Stunden dauern könnte. Unterdessen wurden die Abstände zwischen den Wehen noch kürzer. Alle paar Stunden tastete die Hebamme nach dem Muttermund, der sich kaum bewegte. Irgendwann gab die Hebamme mir ein Homöopathikum, obwohl ich beim Vorgespräch darauf hingewiesen hatte, dass ich davon nichts halte und das nicht möchte. Aber diskutieren wollte ich in dem Moment dann auch nicht mehr und vielleicht hilft der Zucker ja wenigstens mit etwas Energie aus. Am schlimmsten fand ich, dass ich nicht wusste, wie lange ich das alles noch aushalten musste, und so verbrachte ich am Abend die Pausen zwischen den Wehen mit Weinen darüber, dass gleich die nächste Wehe angerollt kommen würde und dann noch eine und noch eine und noch eine… Als gegen 23 Uhr noch einmal der Muttermund abgetastet wurde und der Befund so aussah, dass es sicher noch viele Stunden dauern würde, bat ich darum doch ins Krankenhaus gefahren zu werden.
Bevor wir losfuhren, musste noch unser ganzer Kram eingepackt werden, und das bedeutete Betten abziehen, Handtücher einsammeln (dieses Zeug muss man im Geburtshaus alles selber mitbringen), was die Hebamme und mein Freund dann auch taten. Dann stiegen wir ins Auto und fuhren los. In dieser Zeit hatte ich zwar immer noch starke Schmerzen, fand diese aber leichter zu ertragen, weil ich mir sagen konnte, “gleich bekomme ich eine PDA und dann wird alles besser”. Wurde es auch, auch wenn das ganze nochmal eine Stunde dauerte, weil dann erstmal noch CTG gemacht werden musste und über die Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt und Papierkram unterschrieben werden musste.
Eigentlich habe ich ja immer ausgeschlossen, dass ich je eine PDA wollen könnte, weil mir Spritzen und sonstige Nadeln, die in meinen Körper gestochen werden, doch eher unangenehm sind. Aber da wusste ich eben auch noch nicht wie lange so eine Geburt dauern kann und wie zermürbend das sein kann. Sobald der Zugang gelegt war, wurden die Schmerzen erträglicher, bis sie bald nur noch als leichtes Druckgefühl zu spüren waren. Ach, war das schön! Ich bekam wieder mit, was um mich herum passierte, konnte mich unterhalten und war gut gelaunt. Die Geburtshaus-Hebamme wurde dann irgendwann zu einer anderen Geburt gerufen und da wir sie dort nicht mehr brauchten, ging sie. Unsere Krankenhaus-Hebamme war zwar nicht die ganze Zeit bei uns, aber ich muss sagen, dass ich darauf auch keinen Wert lege, wenn gerade nichts Dramatisches passiert (und in dem Fall hätte sie natürlich jederzeit gerufen werden können). Mein Freund und ich waren also lange im Kreissaal allein und die Hebamme schaute regelmäßig vorbei und vergewisserte sich, dass alles in Ordnung war. So ungefähr um 5 Uhr am 1. April wurde die Dosis des PDA-Medikaments wieder gesenkt und schließlich ganz abgesetzt, weil der Muttermund nun genug geöffnet war, damit es bald losgehen konnte. Die Fruchtblase war bisher nicht gesprungen und wurde daher von der Hebamme geöffnet. Es war ein merkwürdiges Gefühl, als uns gesagt wurde, dass es jetzt wohl höchstens noch eine halbe Stunde dauern würde.
Dann kamen auch bald schon die ersten Presswehen. Diese waren jetzt nochmal RICHTIG schmerzhaft, aber man hat glücklicherweise kaum Zeit um darüber nachzudenken und diese Phase der Geburt dauert ja auch wirklich nur ein paar Minuten. Ich wurde gefragt, ob ich mal nach dem Köpfchen tasten wolle, das schon zu spüren wäre. Wollte ich nicht, ich wollte das alles jetzt so schnell wie möglich hinter mich bringen. Gerade als die Hebamme schon darüber nachdachte, einen Dammschnitt zu machen, weil das Baby ihrer Meinung nach nun doch schon recht recht lange im Geburtskanal feststeckte, entschied die Kleine sich dafür nun doch langsam mal rauszukommen. Nachdem der Kopf geboren ist, flutscht der Rest ja praktisch automatisch hinterher und da war sie nun also. Ein schreiendes, rotes, zerkautschtes Etwas und irgendwie ein surrealer Anblick. Ein echter kleiner Mensch, der da gerade aus mir herausgekommen war! Sie wurde mir direkt auf den Bauch gelegt und ich nahm sie in den Arm und sah sie mir genau an.Es war 5:20 Uhr.
Währenddessen wurde eine Ärztin gerufen, die sehr hektisch meinte, ich müsse jetzt sofort genäht werden, für eine Vorstellung sei hinterher Zeit. Ich habe wohl ziemlich geblutet, auch wenn mir das nicht so aufgefallen war. Ich war trotzdem bestens gelaunt, fast schon euphorisch. Mein Freund nahm so lange das Baby in den Arm und nach den ersten Nähten (da kamen noch weitere), erklärte sie sich auch. Unser Baby wurde irgendwann in diesem Zeitraum auch untersucht, vermessen und gewogen, ich glaube, bevor sie Nico in den Arm gelegt wurde. Das alles fand bei uns im Kreissaal statt, Mathilda wurde im Krankenhaus also zu keinem Zeitpunkt von uns getrennt, wir wurden über alles informiert und konnten dabei sein. Man hört ja manchmal, dass das bei einigen anders ist, deswegen erwähne ich das.
Nachdem das alles getan war, lagen wir noch lange im Kreissaal, weil keine Zimmer frei waren (wir hatten uns ja auch vorher nicht angemeldet, vielleicht wäre das sonst anders gewesen). Ich versuchte etwas Schlaf zu bekommen und legte Mathilda in ein Bettchen neben mich. Dort wurde mir auch Frühstück serviert, ich aß ein Brötchen mit einem veganen Aufstrich. Auch auf meine damaligen Ernährungsgewohnheiten wurde dort ohne zu murren eingegangen, auch wenn man natürlich keine Haute Cuisine erwarten konnte.
Mathilda verschlief ihren ganzen ersten Lebenstag. Ich lernte sie zu wickeln und anzuziehen. Anfangs hat man ja immer noch die völlig ungerechtfertigte Angst, irgendetwas kaputt zu machen. Ich entschied mich noch eine Nacht im Krankenhaus zu bleiben, erhielt viel Besuch von der Verwandschaft, was ich als willkommene Abwechslung von der krankenhaus-typischen Langeweile empfand. Dazwischen starrte ich natürlich auch lange mein kleines Neugeborenes an, welches mir wunderschön erschien, auch wenn ich zugeben muss, dass, wenn ich mir die Fotos von damals ansehe, sie ziemlich rot und fleckig und zerknautscht aussah. Aber was soll’s, ich sah an dem Tag auch nicht gerade blendend aus und seitdem sind wir beide von Tag zu Tag hübscher geworden. 
Die Babys schliefen in Beistellbettchen (Das Gitter konnte auf einer Seite heruntergelassen werden) neben ihren Müttern.
In der ersten Nacht nach ihrer Geburt wurde Mathilda dann wach und hatte HUNGER! Das Stillen wurde mir mehrmals von den Schwestern gezeigt bis wir es dann raus hatten und alleine klar kamen. Das Krankenhaus war sehr stillfreundlich. Alles in allem muss ich sagen, dass ich, falls ich noch einmal eine Geburt hinter mich bringen muss, gleich in genau dieses Krankenhaus gehen würde. Mich stört weder, dass die Hebammen dabei nicht die ganze Zeit anwesend sind, noch dass ich sie vorher nicht kenne, im Gegenteil macht es das für mich persönlich sogar angenehmer. Der wesentliche Unterschied zum Geburtshaus ist für mich, dass der Raum dort hübscher eingerichtet ist als ein Kreissaal und dass man alles selber mitnehmen (und also auch hinterher waschen) muss. Mir ist einfach aufgefallen, dass es mir während einer Geburt völlig egal ist wie stilvoll der Raum dekoriert ist, in dem ich mich befinde, oder wie schön die Bettwäsche ist oder ob man irgendwelche medizinischen Geräte sieht. Ich hab da in dem Moment echt andere Sorgen.
Ich hatte ja schonmal einen Geburtsbericht gepostet, aber dieser hier ist nochmal etwas detailierter. Und morgen feiert unsere kleine Mathilda also bereits ihren ersten (
) Geburtstag. Es war ein ereignisreiches Jahr, schön und anstrengend und einfach unglaublich.